[Montevideo] Peñarol und eine kleine Geschichte

Veröffentlicht: 14 Januar, 2013 in allgemein
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Ein ereignisreiches Wochenende liegt hinter mir, mit dem Konzert der Band Molotow aus Mexico, einer Trainingsfahrt ins nahegelegene Fortin de Santa Rosa mit dem Fahrrad und dem Endspiel des Copa Rio de la Plata zwischen der montevideischen Mannschaft Club Atletico Peñarol und der argentinischen Mannschaft Club Atletico Veléz Sarsfield.
Die Radfahrt war anstrengend aber es gab nette Strände zu sehen und das Konzert ging so. Wir standen recht weit weg und es war brechend voll.

Auf dem Konzert.

Auf dem Konzert.

Das Highlight jedoch war ganz klar das Fussballspiel im Estadio Centenario auch wenn unsere Mannschaft, also Peñarol, 1:3 daheim verlor. Mein Couchsurf-Kumpan Bruno hatte die Karten beschafft und so standen wir dann tatsächlich im Hardcore-Fanblock von Peñarol, um uns herum hunderte Verrückte. Anfangs hatte ich mich noch gewundert, warum die zum Teil mächtig ausgebleichten schwarz-gelben Trikots der Jungs so seltsame Brandlöcher haben, als allerdings die erste bengalische Fackel neben mir anging wusste ich Bescheid. Der komplette Block minus ich (weil nicht textsicher) sang 90 Minuten auf voller Kehlkopfstärke durch – bei Gegentreffern lauter als bei eigenen Toren. Und nicht nur ein Lied sondern ungefähr insgesamt 20. Jeder zweite hat irgendwo ein Tattoo des Clublogos auf der Pelle und mindestens ein Rad ab (für das Protokoll: hinter Stange an der der eine da klettert gehts 30 Meter runter):

Fankurve "Amsterdam" voller Peñarol-Fans

Fankurve „Amsterdam“ voller Peñarol-Fans

Aber darüber wollte ich eigentlich nicht schreiben. Vielmehr wollte ich eine kleine Geschichte Uruguays unter die Leute bringen.
Anfangs war alles schlecht. Die Region des heutigen Uruguays war unter spanischer Besatzung. Dann kam 1811 General Artigas mit seinen Leuten an und schmiss die Spanier raus, die wehrten sich noch ein wenig, gingen aber irgendwann doch. Anschließend gehörte das Gebiet als Provinz zu einer Föderation, die mehr oder weniger ganz Argentinien umfasste, welches seinerzeit schon unabhängig war. Kurze Zeit später annektierten die Portugiesen, von Brasilien kommend den Landstrich. Sie blieben aber nicht lange denn Brasilien erreichte seinerseits die Unabhängigkeit um die 1820er Jahre herum. Damit gehörte Uruguay kurzzeitig zu Brasilien. Jetzt kommt der Clou und auch der Grund für die 33 Palmen auf der Plaza de Independencia: Im April 1825 kamen die 33. Ehrlich gesagt weiß heute keiner mehr, ob es wirklich 33 waren aber die Zahl klingt halt gut und wird gemeinhin als eine Freimaurer-Zahl gehandelt.
Die 33 waren Soldaten, aus der Region, die den Rio Uruguay von Westen her überquerten, die Erde küssten, ein Banner aufstellten und einen Eid schwörten: „Libertad o Muerte“ (Freiheit oder Tod). Anschließend trommelten sie Leute zusammen und bekämpften das System. Am 25. Aug 1825 erklärten sie die Unabhängigkeit, hatten sie aber noch gar nicht. Sie kloppten sich weiter mit ihren Widersachern bis 1828. In diesem Jahr war das Land dann tatsächlich offiziell unabhängig.
In den kommenden 2 Jahren musste dann ein bisschen was organisiert werden, eine Verfassung zum Beispiel und eine Staatsverwaltung – nichts Besonderes. Endgültig handlungsfähig wurde Uruguay als Land daher erst am 18. Juli 1830 (das wichtigste Datum der Landesgeschichte). Im Palast der Legislatur liegt die Original-Verfassung unter rotem Samt herum.
Ab 1830 folgte dann bis etwa 1904 Bürgerkrieg auf Bürgerkrieg, was halt so passiert wenn zu viele Stakeholders ihre Schäfchen trocken halten wollen aber seit 1904 läuft das Land ganz gut. Zeitweilig nannte man es gar die Schweiz von Südamerika und den Acht-Stunden-Arbeitstag haben die hier seit 1911.
Woher aber kommt der Name Uruguay? Die genaue Bezeichnung des Landes ist Republica Oriental del Uruguay. Übersetzt heißt das: Die Republik östlich des Uruguay. Und tatsächlich begrenzt dieser Fluss im Westen das Gebiet. Irgendwann bürgerte sich der Name Uruguay dann als Landesbezeihnung ein. Das Wort kommt aus dem Guaraní und heißt „Rio de los Pájaros Coloridos“ oder Fluss der bunten Vögel.
Apropos Pájaro. Ein ähnliches Wort lautet Pajéro. Mir wurde dieses Wort auf dem Fahrrad am Samstag hinterhergebrüllt aus mir unbekannten Gründen. Vielleicht war die rote Ampel nicht ganz so optional wie sonst alle Ampeln hier im Land. Ein Freund klärte mich später über die Bedeutung auf. Wenn man die Aufschrift auf dem T-Shirt um „er“ ergänzt, hat man die Lösung.

Nettes T-Shirt

Nettes T-Shirt

Hatte Mitsubishi nicht einen SUV dieses Namens in der Produktpalette? Die Leute bestätigten mir, dass sich das Auto nicht sonderlich gut hier verkaufte.

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