Mit ‘Reise’ getaggte Beiträge

[Buenos Aires] Erkundung der Stadt

Veröffentlicht: 4 Januar, 2013 in allgemein
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Wo fange ich an? Zunaechst fragte einer, wie das Silvester im Flieger war. Nein es gab keine Papierhuetchen, keine Polonese und auch kein Tischfeuerwerk. Der Kaept´n zaehlte nur die letzten 10 Sekunden des alten Jahres runter und alle hatten ein Glas Sekt in der Hand. Der Sekt schlug mir aber irgendwie auf den Magen und ohnehin war ich etwas angespannt und relativ genervt, so dass ich nicht von einer feierlichen Begruessung des neuen Jahres sprechen moechte. Trotzdem kann ich den Film „The Campaign“ im derzeitigen Bordprogramm empfehlen.
Meine Gastgeberin ist aeusserst nett. Als ich Ihr erzaehlte, dass ich auf dem Weg vom Flughafen durch einige weniger schoene Viertel gefahren bin, stellten sich ihr die Haare auf. Gut, da brannte Muell auf den Strassen und es gab ein paar Autowracks aber sonst ging das alles. Die Gastgeberin hat einen Kater Esteban, der versucht mich umzubringen. Dazu hat er erstmal seine Krallen in meine Iso-Matte gebohrt um mit grosser Effizienz die Luft abzulassen. Zwei Naechte musste ich daher auf dem Boden schlafen, weil die Klebestellen trocknen mussten. Jetzt tut mir das Kreuz weh. Egal.
Am ersten Abend gab es eine kleine Zusammenkunft der Parteifreunde meiner Gastgeberin  von der Partido Obrero oder uebersetzt, Arbeiterpartei. An diesem Abend wurden Lieder von hoher revolutionaerer Relevanz gesungen. Ueber was sich die Kollegen genau unterhalten haben, kann ich nur spekulieren. Die Sprachkenntnisse reichen nicht aus. Der angesagteste Drink der Stadt ist Fernet Cola, Bier ist verdammt teuer, wie auch alles andere. Teurer als Hamburg.

Buenos Aires ist gross. Sehr gross sogar und ziemlich alle Strssen sind rechtwinklig, was die Orientierung einfach macht. Den Innenstadtbereich und die angrenzenden Viertel mit dem Palacio del Congreso und dem Praesidentensitz habe ich komplett erlaufen, heute wollte ich noch nach Palermo, dem Hip-Viertel der Stadt. Wie auch Hamburg hat BA eine Hafencity fuer Leute, die es sich leisten koennen. Die Allgemein-Bevoelkerung steht auch hier diesem Viertel sehr kritisch gegenueber und geht dort einfach nicht hin und es ist dort auch vergleichsweise nichts los. Ich musste leider da durch um in das Naturschutzgebiet zu gelangen, dass die Stadt vom Rio de la Plata trennt. Dort liefen Meerschweine frei rum oder vielleicht waren es auch andere Viecher. Der Fluss selbst ist dunkelbraun und es donnern permanent Schiffe vorbei. Tiefseehafen halt.

Das Museo Nacional de Argentina kann man sich getrost schenken, es gibt dort mehr Wachleute als Ausstellungsobjekte. Insgesamt reden wir ueber drei Raeume mit hauptsaechlich Bildern und Waffen aus der Zeit zwischen 1830 und 1870. Fuer ein Land wie Argentinien kommt mir das etwas mickrig for. Das interessanteste Stueck der Sammlung war die Máquina Infernal , die einst dem Oberhaupt der Stadt in einer Diplomatenkiste geschickt wurde. Das Teil beinhaltet 16 geladene Pistolenlaeufe, die sich beim Oeffnen des Deckels in alle Richtungen entladen sollten. Im entscheidenden Moment versagte die Mechanik und es passierte nichts. Juan Manuel de Rosas lebte noch weitere 36 Jahre. Ich wollte ein Foto der Kiste machen aber drei Wachleute hielten mich davon ab.

Ansonsten kann man sich hervorragend durch die Stadt treiben lassen, nur die Sonne ist fuer so eine wintergewohnte Menschoberflaeche zu hart.
Das Internet-Cafe hier laesst keine Speicherkarten zu. Daher werde ich die Fotos von BA demnaechst nachreichen.

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[Flughafen Frankfurt] Bad Case Szenarien

Veröffentlicht: 2 Januar, 2013 in allgemein
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Frankfurt Flughafen ist am letzten Tag des Jahres eine wahre Freude. Ich bin vier Stunden vor Abflug da um notfalls improvisieren zu koennen. Selbstmoerder auf den Schienen, sture Schalterleute, Pannen mit dem Gepaeck – es lassen sich einige Bad-Case-Szenarien ersinnen, die nicht zum Worst Case Szenario werden duerfen, sprich: „Der Flieger geht ohne mich ueber die Rampe.“ Aber hier ist alles ruhig und nicht viel los. Zum Silvester scheint kaum einer reisen zu wollen. An der Handgepaeck-Zerwuehl-Theke war eine Schlange von exakt Null Leuten. Um 17:33 stand ich in der Halle mit der grossen Anzeigetafel und um 18:00 war ich durch die Sicherheit durch. Das Fahrrad ist eingecheckt und meine 31kg Gepaeck auch. Gestern Nacht bin ich noch wie bloede um diesen Haufen Equipment geschlichen und hatte Bedenken, dass ich das niemals in zwei Taschen und ein Handgepaeck verpackt bekomme. Aber das
ging erstaunlich gut. Hier sind die Vorher/Nachher-Fotos von meinem ganzen Scheiss.

Gepaeck vorher

Gepaeck vorher

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Gepaeck nachher

Insgesamt schaffe ich etwa 50kg Equipment nach Suedamerika, da ist mein eigenes Koerpergewicht aber noch nicht dabei. Wie dem auch sei, eine Sache wollte ich unbedingt noch loswerden. In den letzten Tagen hatte ich mehrere Abschiedsveranstaltungen in verschiedenen Staedten der Republik, wo mir Briefe, Fotos, Musik, gute Ratschlaege, sinnlose Ratschlaege, Warnungen, Umarmungen
und dergleichen zugesteckt wurden. Vielen Dank dafuer. Freunde, Familie, Kollegen: Ihr seid die Groessten.

Jetzt aber Schluss hier mit der Gefuehlsduselei. Ich gehe jetzt was Essbares suchen und gebe mich finsteren Gedanken hin. „Wie werde ich wohl mein Fahrrad in Buenos Aires entgegen nehmen. Was heisst eigentlich „Nein, in Frankfurt war das Fahrrad einteilig!“ auf Spanisch. Immer diese Bad Case Szenarien…
Unklar ist bisher auch, wie man vom Flughafen die Stadt erreicht. Experten sind sich einig, dass es nur eine Autobahn gibt und dass man dort nicht mit dem Bike laengs fahren darf.

Nachtrag 02.01.2013: Bin angekommen, Das Fahrrad ist heile und das Gepaeck ist auch komplett da. Yes.
Am Flughafen gab es geteilte Meinungen, ob man mit dem Fahrrag auf die Autobahn darf. Der Typ an der Mautstation meinte, ich koenne sogar kostenlos drauf und winkte mich durch. Hundert Meter weiter stand das „Fahrrad verboten“ Schild an der Seite. Das hat er vielleicht nicht auf dem Zettel gehabt. Nun ja. Die Autobahn war nur drei-spurig und der Verkehr am Neujahrstag um 9.00 Uhr hielt sich erwartungsgemaess in Grenzen. Ich wurde von mehreren Polizeistreifen ueberholt aber die kannten anscheinend die Regeln fuer Fahrraeder auf der Autobahn auch nicht. Hier der erste Eindruck von Buenos Aires:

alte Autos

Alte Autos irgendwo auf dem Weg durch die Stadt. Bitte auch den Weihnachtsmann beachten.