Mit ‘Uruguay’ getaggte Beiträge

[Montevideo] Schulpflichtig

Veröffentlicht: 10 Januar, 2013 in allgemein
Schlagwörter:, ,

Meine Wäscherei hat heute großen Humor bewiesen. Scheinbar sammelt man dort die Parfüm-Reste sämtlicher Puffs aus dem Umland Montevideos ein und mischt am Ende dann alles in einer Sprühflasche für Kakteen zusammen. Ich möchte es mal so ausdrücken: der Inhalt dieser Flasche wäre in Deutschland waffenscheinpflichtig. Um der gewaschenen Wäsche am Ende eine eigene unverkennbare Note zu verleihen (sozusagen die Visitenkarte der Wäscherei) bekommt jedes Kleidungsstück einen kräftigen Schluck des diabolischen Cocktails ab. Insbesondere bei meiner Mütze fällt das unangenehm auf, da ich diese traditionell in relativ kurzer Distanz zur Nase trage. Und so laufe ich jetzt wohl erstmal rum wie eine Douglas-Filiale. Selbstverständlich habe ich mir den Satz „Bitte nicht parfümieren“ auf Spanisch in das Notizbuch geschrieben. Für das nächste Mal.

Seit 3 drei Tagen wohne ich jetzt bei Donna Amelia, meine Gastgeberin während ich die Sprachschule besuche. Ganz klar habe ich hier das ganz große Los gezogen. Endlich mal ein Haushalt ohne Viecher. Amelia kocht exzellent und ist sehr am Praxiseinsatz der Sprachkenntnisse ihrer Schützlinge interessiert. Das Haus ist ein Altbau, die Zimmerdecke ist so hoch, dass man sie nur bei eingeschaltetem Licht als Ende des Tunnels sehen kann und es gibt einen Balkon. Alles ist luftig und angenehm Mein Fahrrad steht neben dem Bett und nicht in irgend einem Hinterhof. Außerdem leben hier noch Gabriel und Milena aus Brasilien, die beide ebenfalls Spanisch lernen. Gabriel ist gerade 20 und das erste mal von zu Hause weg. Er sagt Mama zu Amelia, was irgendwie süß ist.

Die Sprachschule ist einen Block entfernt in der Parallelstraße. Jeden Tag habe ich 6 Stunden Unterricht, zwei davon in Privat-Audienz beim Lehrer. Das ist härter als es sich anhört denn weder Deutsch noch Englisch helfen im Notfal weiter. Vor allem nach dem Einzelunterricht fühlt sich mein Hirn wie gegrillt an. Aber die Fortschritte sind immens.

Am Sonntag war hier auch ein Flohmarkt in der Stadt. Riesengroß. Es gab tatsächlich alles. Von Patronenhülsen in 3 Zoll Kaliber über geklaute i-phones bis zu lebenden Hamstern hat nichts gefehlt. Leider muss ich unterwegs irgendwie meinen Fahrradschlüssel verloren haben. Das ist ärgerlich aber ich kenne meine Pappenheimer, von denen ich selbst der größte bin und habe natürlich für den Notfall einen Ersatzschlüssel mit. Obwohl es auch mal spannend gewesen wäre, hier in Montevideo mit einer Flex an einem Fahrradständer ein Rad loszueisen.

Aber hier mal ein paar Eindrücke der Stadt:

Ach ja. Überall in der Fremde findet man sie. Die guten Produkte der Hamburg Süd

Ach ja. Überall in der Fremde findet man sie. Die guten Produkte der Hamburg Süd

Die Plaza de Independencia mit exakt 33 Palmen. Mehr dazu später

Die Plaza de Independencia mit exakt 33 Palmen. Mehr dazu später

La Muerte

La Muerte, die Katze meines Couchsurfing-Kumpels hier in Montevideo

Pferdekarre im Innenstadtbereich. Die Müllsammler sind alle auf solchen Kutschen unterwegs

Pferdekarre im Innenstadtbereich. Die Müllsammler sind alle auf solchen Kutschen unterwegs

Palacio del la Legislatura von außen

Palacio del la Legislatura von außen

Was liegt wohl tödliches im Keller des Regierungsgebäudes von Montevideo?

Was liegt wohl tödliches im Keller des Regierungsgebäudes von Montevideo?

Palacio de la Legislatura von innen

Palacio de la Legislatura von innen

Die Bibliothek der Regierung

Die Bibliothek der Regierung

Am Lesepult der Bibliothek habe ich diesen Geier gefunden. So etwas brauche ich auch für meinen Arbeitsplatz.

Am Lesepult der Bibliothek habe ich diesen Geier gefunden. So etwas brauche ich auch für meinen Arbeitsplatz.

Der Wagen kürzlich ausgeliehener Bücher. Aha, man liest also über Abtreibung und Kindsmord in der uruguayanischen Regierung. Die Grafittis auf der Straße deuteten bereits darauf hin, dass auf diesem Gebiet einiges im Gange ist.

Der Wagen kürzlich ausgeliehener Bücher. Aha, man liest also über Abtreibung und Kindsmord in der uruguayanischen Regierung. Die Grafittis auf der Straße deuteten bereits darauf hin, dass auf diesem Gebiet einiges im Gange ist.

Ausrangierter Hauptbahnhof des Landes

Ausrangierter Hauptbahnhof des Landes

Schade um das schöne Gebäude

Schade um das schöne Gebäude

Vorspeise im Fischrestaurant. Ich nenne sie "Hafenschlamm". Sie schmeckt nach Knoblauch und ... Knoblauch

Vorspeise im Fischrestaurant. Ich nenne sie „Hafenschlamm“. Sie schmeckt nach Knoblauch und … Knoblauch

La Rambla. Die Uferpromenade der Stadt. Tagsüber sind hier die Sportler, nachts die Suffköppe unterwegs.

La Rambla. Die Uferpromenade der Stadt. Tagsüber sind hier die Sportler, nachts die Suffköppe unterwegs.

Werbeanzeigen

[Montevideo] Rock and Roll

Veröffentlicht: 8 Januar, 2013 in allgemein
Schlagwörter:, , ,

Die Ueberfahrt mit dem Schiff war voellig ereignislos. Die Faehre hatte kein Sonnendeck und man musste wie in einem Flieger in unbequemen Sitzmoebeln hocken. Am Ankunftsort wurde ich von meinen Couchsurfing-Gastgebern fuer die ersten beiden Tage empfangen. Bruno und sein Kumpel Dario waren beide angemessen mit ihren schrottigen Fahrraedern da, sie kamen gerade von der Aufnahme ihrer Radio-Sendung und brauchten erstmal ein Bier. Die beiden sind 1A Experten der suedamerikanischen Punk-Szene. Es war schwer mit dem Redeschwall mitzuhalten aber imerhin schnappe ich einige interessante Bandnamen auf, die es zu recherchieren gilt. In Brunos winziger Wohnung begruesste uns La Muerte, die Katze des Hauses (bei mir kamen ungute Erinnerungen an Estéban in Buenos Aires auf). Meine arme Luftmatraze – bitte nicht noch einmal. Bruno erzaehlte mir die herzerweichende Geschichte des schoenen Tieres.

Er fand die Katze in der Gosse, halb verhungert mit einem gebrochenen Bein und vielen Stellen, die auf eine Misshandlung hindeuteten. Eigentlich mag Bruno keine Katzen aber er packte sie ein und trug sie zum Tierarzt. Der winkte gleich ab und sagte, dass die Katze die Nacht eh nicht ueberleben wuerde. Bruno bestand trotzdem auf die Behandlung und nannte die Katze einfach schnell La Muerte (Das waere im Deutschen: Der Tod). Seine bestechende Logik: Der Tod kann nicht sterben. Und siehe da, die Katze erfreut sich bester Gesundheit und ist gleichzeitig so menschenscheu, dass sie keinem auf den Zeiger geht. Auch meiner Luftmatratze kam sie nicht nahe.

Spaeter gab es Bier und Musik an der Flusskante und da der Sonntag in Uruguay traditionell der Familie und den Freunden gehoert lud Bruno gleich noch die ganze Bande fuer den naechsten Tag zum Empanada-Kochen und Rockmusik-Hoeren ein. Am Sonntag kamen dann allerlei Leute an, die ganz weit vorne an der Rock´n´Roll-Front leben. Weiterhin stellte ich fest, dass Fernet-Cola sich auch hier grosser Beliebtheit erfreut.
Spaeter war dann eine Mueckeninvasion, von der die Einheimischen erzaehlten, dass es noch nie so schlimm war. Mein graues T-Shirt war schwarz vor lauter Muecken. Komischerweise hinterlassen die Stiche von denen bei mir keine Beulen auf der Pelle. Das Glueck hatten die anderen groesstenteils nicht.
Am Abend gabs dann noch Fussball auf dem Spielplatz und heute tut mir alles weh. Schoen war´s und mein MP3-Player fuellt sich langsam mit neuem Material. Ich bin immer wieder erstaunt, was hier im Sueden so musikalisch am Laufen ist und wovon nie etwas bei uns ankommt. Zum Beispiel hier (das ist schon sehr alt):

Aber ich schwafele unbedeutenden Kram. Eigentlich wolltet Ihr doch sicher die Fotos von Buenos Aires sehen. Hier sind sie:

Puerto Madero - die Hafen City von Buenos Aires

Puerto Madero – die Hafen City von Buenos Aires

Stadtviertel San Telmo. Wunderbare Haeuser

Stadtviertel San Telmo. Wunderbare Haeuser

MArkthalle von San Telmo. Alle im Urlaub, kein Gedraenge und Platz zum Fotografieren

MArkthalle von San Telmo. Alle im Urlaub, kein Gedraenge und Platz zum Fotografieren

Evita Peron ist nach wie vor allgegenwaertig und wird verehrt

Evita Peron ist nach wie vor allgegenwaertig und wird verehrt

keine Stadt ohne Obelisk. Montevideo hat auch einen, nur nicht so gross

keine Stadt ohne Obelisk. Montevideo hat auch einen, nur nicht so gross

Wachabloesung in der Kathedrale am Grab von General San Martin

Wachabloesung in der Kathedrale am Grab von General San Martin

In der Kathedrale

In der Kathedrale

Institut der Ingenieurswissenschaften. Man zeigt Praesenz und veranschaulicht deutlich das Motto des Maschinenbaus: Masse ist durch nichts zu ersetzen.

Institut der Ingenieurswissenschaften. Man zeigt Praesenz und veranschaulicht deutlich das Motto des Maschinenbaus: Masse ist durch nichts zu ersetzen.

Im Institut der Ingenieurswissenschaften

Im Institut der Ingenieurswissenschaften

Ich am Rio de la Plata. Aufgrund von Falscheinschaetzung der Vegetation trug ich einen fetten Sonnenbrand davon.

Ich am Rio de la Plata. Aufgrund von Falscheinschaetzung der Vegetation trug ich einen fetten Sonnenbrand davon.

El Congreso

El Congreso

Friedhofsmauer in Recoletta. Man scheint Angst vor Zombies zu haben. Ueber diese Mauer kommt nichts drueber

Friedhofsmauer in Recoletta. Man scheint Angst vor Zombies zu haben. Ueber diese Mauer kommt nichts drueber

Netter Versuch aber in London sehen die Dinger anders aus

Netter Versuch aber in London sehen die Dinger anders aus

Kirche am Friedhof zu Recoletta

Kirche am Friedhof zu Recoletta

Estéban

Estéban

Vier Loecher zur Reparatur. Danke Estéban

Vier Loecher zur Reparatur. Danke Estéban