Über mich

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Irgendwann, das muss etwa vor drei Jahren gewesen sein, kam an einem zechenden Stammtisch einmal mehr die Bemerkung auf: Das kann doch nicht alles gewesen sein. Ein Leben aus Arbeit, Essen und Schlaf und wenn es dann ernst wird der Anruf bei der Bank weil ein Haus gekauft werden muss. Rentenvorsorge und vielleicht mal Kinder, Sicherheit, Bausparverträge und alles richtig gemacht. Trotzdem unzufrieden. Die Stimmung fiel auf einen Tiefpunkt und alle am Tisch schauten in Ihre Tassen denn jeder erkennt die Parallelen zu seinem eigenen Leben.

Ich will nicht sagen, dass dies der exakte Zeitpunkt war, in dem ich mich entschloss diese Radreise zu machen – das wäre viel zu Hollywood. Der Gedanke reifte über einen sehr langen Zeitraum und wurde schleichend zu einer festen Größe in meinem Leben. Inzwischen, der Start ist in greifbare Nähe gerückt, ist die Reise der Hauptbestandteil meiner Gedanken geworden. Dass ich die Sache durchziehen würde war mir in dem Moment klar, als ich die Bereitschaft spürte, für das Vorhaben sogar meinen Job zu kündigen, was letztendlich aber nicht nötig war.

Mein Name ist Robert Münster. Ich bin Ingenieur und befinde mich altersmäßig inzwischen auf der falschen Seite von 35. Fahrradfahren war in meinem Leben immer präsent. In den 90ern fuhr ich vereinsmäßig Mountainbike, hatte eine kurze Berührung mit dem Downhill-Sport, musste aber schmerzlich erkennen, dass mir dazu das Talent fehlt. Während des Studiums war das Rad ausschließlich Transportmittel in der Stadt bis mich ein Freund auf eine kleine Radreise nach Tschechien mitnahm. Das war im Jahre 2006. Seither habe ich das Mountainbike gegen ein Reiserad eingetauscht und mit Freunden mehrere kleine bis mittlere Touren in Deutschland und Osteuropa absolviert.
Beim Rucksackreisen stört mich zunehmend, dass man mit angemessenem Aufwand und Zeiteinsatz eigentlich nicht aus den Städten des Reiselandes rauskommt und deswegen dann doch ziemlich viel Zeit in den Häuserschluchten und den Backpacker-Hostels zubringt. Das ist zwar auch ganz nett aber ich stelle fest, dass mir das oberflächliche Gelaber mit den Phrasen wie „So, where’re YOU from?“, „Did you see this or that site?“, „We just ate at the most amazing resaurant by the river. Real cheap.“, „Where do you go next?“, „Do they have internet here?“ und „Nice meeting you.“ wirklich auf den Sack geht und dass ich langsam zu alt bin dafür. Ich habe nicht mal einen Facebook Account. Wie soll ich da mitreden können.
Deswegen jetzt das Radreisen. Der Reiz ist eigentlich die Unabhängigkeit aber auch die langsame Reisegeschwindigkeit, die Ruhe, die Landschaft, das Schwitzen, der Kontakt mit Leuten, die nicht in der Tourismus-Industrie ihre Brötchen verdienen und vor allem dass man aus eigener Kraft voran kommt.

Und warum ausgerechnet Südamerika?
Weil ich Cusco und den Titikaka-See sehen muss, die Anden mein Lieblingsgebirge sind und weil ich Spanisch lernen möchte.

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